
Interferenz
Manche Intervalle klingen nach Heimkommen. Andere ziehen uns in ihren Bann: Sie tragen eine Spannung, die wir sofort hören und doch kaum benennen können. Interferenz führt mitten in dieses Gefühl - in den Moment, in dem zwei Töne aufeinandertreffen und sich etwas entweder beruhigt oder zu flirren beginnt - und lässt Hörerinnen und Hörer jeden Schritt am eigenen Ohr erfahren.
Dieses Hörbuch ist zum Hören gemacht, nicht bloß zum Vorlesen. Jedes Kapitel verbindet eine kurze, meditative Betrachtung eines einzelnen Intervalls mit einem aufgenommenen Klangbeispiel genau dieses Frequenzverhältnisses. So erfährt man nicht nur, was eine reine Quinte oder eine neutrale Septime ist - man hört sie klingen. Von der vertrauten Stabilität der Oktave, der Quinte und der Terz aus geht die Reise weiter nach außen, in fremderes und schöneres Gebiet: in die Intervalle, die zwischen den Tasten des Klaviers liegen, jenseits der gleichstufigen Stimmung.
Von dort öffnet sich das Buch zur tieferen Struktur des Klangs. Es folgt der Obertonreihe durch die reinen Verhältnisse der reinen Stimmung bis in ihre höheren Regionen - den siebten, elften und dreizehnten Teilton -, wo Tonhöhe und Klangfarbe ineinander übergehen und die westlichen Kategorien von „Dur" und „Moll" sich still auflösen. Auf Grundlage der Promotionsforschung des Autors zwischen der Freien Universität Brüssel und dem Königlichen Konservatorium Brüssel begreift das Buch Mikrotonalität nicht als exotische Kuriosität, sondern als verborgene Geometrie unter aller Musik - Resonanz, hörbar gemacht und beinahe sichtbar.
Für Komponistinnen und Komponisten, Musiktheoretikerinnen und -theoretiker, Akustikforschende, Stimmungs- und Synthese-Begeisterte und alle, die sich je gefragt haben, warum bestimmte Frequenzverhältnisse rein klingen und andere sich spannungsvoll reiben: Interferenz macht abstrakte Verhältnisse greifbar - als etwas, das man nicht nur versteht, sondern wirklich hört.
Praise
